Die Künstler

Wer waren die Künstler, mit denen Erich Cramer eng zusammenarbeitete?
Einer von ihnen war der deutsche Tiermaler Wilhelm Eigener ( 1904 - 1982). Vor dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er in einer Hamburger Druckerei als Chefzeichner für Zirkus- und Artistenplakate. Erst nach Kriegsende widmete er sich verstärkt der Tiermalerei und wurde schließlich in den 50er-Jahren einer der bekanntesten deutschen Tiermaler und -zeichner. Er illustrierte Märchenbücher, Tier- und Naturbücher, Schulbücher und Zooführer. Über drei Jahrzehnte war er der Hauszeichner des Hamburg Tierparks Hagenbeck. Zu seinen bekanntesten Werken gehörte u.a. "Die Enzyklopädie der Tiere". In ihnen werden über fünftausend Tiere dargestellt. Ebenso arbeitete er an "Grzimeks Tierleben" mit und - dem Kronen-Verlag. Wie das Hamburger Abendblatt anlässlich seines 65. Geburtstages schrieb: "Das Pretoria Art Museum hat Wilhelm Eigener eingeladen, im Dezember dieses Jahres in Südafrika auszustellen. Prof. Grzimek deckte ihn mit Aufträgen ein. Hundezüchter aus Kanada bitten um Chow-Chow-Porträts. Post aus aller Welt erreicht den Hamburger Tiermaler Wilhelm Eigener... Hinter seinem künstlerischen Erfolg stehen über 50 Jahre emsigen Zeichnens und Schauens, verbunden mit einem fundierten Selbststudium der Zoologie. Wilhelm Eigener durchstreifte mit Skizzenblock und Staffelei Afrika vom Sudan bis zum Kap. Das "Who is Who" zählt ihn zur europäischen Prominenz."
Erich Cramer reiste mit Wilhelm Eigener auch gemeinsam nach Afrika, wo nicht nur gemalt und skizziert, sondern auch ein gemeinsamer Film gedreht wurde.

Zum 65. Geburtstag schickte Eigener seinem Freund Erich Cramer eine eigenhändig gemalte Glückwunsch-karte. Man verstand sich – und das seit vielen Jahren.

„Sic transit gloria mundi
oder
Träumereien im Rentenstuhl“


Franz Murr,
ein in sich gekehrter und stiller Mensch, war Kunstmaler und naturwissenschaftlicher Illustrator. Er lebte von 1887 bis 1964 und hat viele Werke für den Kronen-Verlag gefertigt. Drei Jahre seines Lebens verbrachte er in Argentinien.
Seine Bilder wurden nicht nur in den Werken veröffentlicht, sondern auch in Kalendern. Der Beginn der Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Kronen-Verlag fällt in die fünfziger Jahre. Er steuerte Werke bei für Kalender und insbesondere für das erste Vogelwerk und das Werk über Säugetiere. Ebenso wie mit den anderen „hauptamtlich“ arbeitenden Künstlern besteht ein reger Briefverkehr, in dem stets auch persönliche Bemerkungen enthalten sind, die ein Licht auf die damalige Zeit und die Lebensumstände werfen.
Teilweise gab es schwierige Aufträge zu meistern. So notierte Franz Murr: „Anliegend erhalten Sie die Tafel 44 Gürtelmaus, leider etwas verspätet, da das Tier große Schwierigkeiten bereitete. Es ist ja eines der schwierigst darzustellenden Tiere, zumal es völlig unterirdisch lebt und nur höchst selten und angeblich nur nachts einmal an die Oberfläche kommt.... Das ausgestopfte Exemplar der Zoologischen Staatssammlung München, das mir zur Verfügung stand, war leider auch höchst unzulänglich; von dem angeblich reichlichen Haarwuchs an den Seiten war an dem Exemplar überhaupt nichts zu sehen und der Panzer reichlich beschädigt, so dass ich völlig im Dunkeln tappte.“
Bereits im Jahre 1960 verschlechterte sich die Gesundheit Murrs zusehend und er äußerte sich brieflich an Erich Cramer hinsichtlich bestehender und neuer Aufträge: „... kann ich leider nicht mehr erfüllen, so gern ich es getan hätte. Ich habe es versucht, aber die Versuche wieder zerreißen müssen – es geht eben nicht mehr, und etwas Zweitklassiges mag ich Ihnen nicht liefern.“
Erich Cramer war von seinen Arbeiten sehr angetan und schrieb ihm Ende 1961, als Murr erklärte, dass er definitiv nicht mehr arbeiten könne: „Ich wage ja nicht zu hoffen, dass ich von Ihnen noch Tafeln bekommen werde, aber wenn es wäre, würde ich es als großes Glück ansehen, denn bisher bin ich auf meiner Suche nach einem Ersatz für Sie noch nicht sehr erfolgreich gewesen.“ Aber der Beitrag für den Kalender für das Jahr 1962 blieb seine letzte Arbeit. Bei seinem Tode in München war er mit der Überarbeitung des ersten Vogelwerkes beschäftigt, welches er aber nicht mehr fertig stellen konnte.
Wie auch die anderen Künstler, die für den Kronen-Verlag wirkten, begutachtete er die Werke seiner Kollegen: „... Im Tierkalender sind die beiden Papageien mit der gewohnten Eignerschen Bravour gemalt und natürlich auch entsprechend gedruckt; beim Eichhörnchen ist ihm allerdings ein Lapsus unterlaufen oder eigentlich zwei: das Eichhorn ist im Winterkleid dargestellt... aber der Lärchenzweig, auf dem es sitzt, hat im Winter keine Nadeln, die überdies nie an so dicken Zweigen sitzen, sondern immer an ganz dünnen Ruten (vgl. z.B. meine Tafel 19, Alpenbirkenzeisig). Anstelle der Barsche hätte ich mir gerne irgendeinen hübschen Fisch gewünscht, so gut sie Caspari gemalt hat. Aber all dies sind nur „kleine Fische“, und ich wünsche mir, dass man gegenüber meinen eigenen Arbeiten ebenso glimpflich verfahre.“
Ferner schrieb er über Wilhelm Eigener: „Ich bin mir natürlich darüber klar, welche Schwierigkeiten es für Kollegen Eigener bedeuten musste, Riesentiere wie Nashörner u.s.w., aber überhaupt alle großen Vierbeiner wie Hirsche, Rinder u.s.w. in das relativ schmale Hochformat zu bringen. Aber Eigener hat diese Klippen dank seiner beneidenswert reichen Studienmöglichkeiten in Hamburg elegant gemeistert.“

Sie kannten sich alle persönlich und schätzten einander. Zeitweise arbeiteten sie auch zusammen und gaben ihr Wissen über spezielle Zeichentechniken untereinander weiter.
Die Arbeit von Franz Murr wurde schließlich von Ludwig Binder fortgeführt, der seine Arbeit mit großer Feinheit ausführte, zuvor wurde allerdings fieberhaft ein geeigneter Zeichner gesucht, wobei Landesgrenzen kein Hindernis waren. Ein Hindernis war allerdings der Anspruch das Vogelwerk zu perfektionieren und den hohen Standard, den Franz Murr gesetzt hatte, aufrechtzuerhalten. Und so endeten die meisten Vorstellungen: „ Ihre Arbeitsweise unterscheidet sich dadurch von der meinen, dass Sie malerisch behandeln, was ich ausgesprochen zeichnerisch darstelle. Für meine Technik hat sich erwiesen, dass die Verwendung eines möglichst sparsamen Biotops besser geeignet ist. Ganz unabsichtlich erhalten meine Arbeiten dadurch eine gewisse Verwandtschaft mit den Klassikern wie Daffinger, Redouté und Merian.
Ich sende Ihnen die Zeichnungen anbei mit bestem Dank zurück.“

Luwig BinderLudwig Binder lebte in Bamberg. Er vollendete schließlich das zweite Vogelwerk. Sich selber bezeichnete er als „Akademischen Maler und Graphiker“. Die Zusammenarbeit mit dem Kronen-Verlag begann im Jahre 1962, nachdem man sich ein Jahr zuvor in Bamberg verpasst hatte. Binder schrieb an Erich Cramer: „...stehe bereits in Verhandlungen mit einem anderen Verlag wegen der Übernahme naturkundlicher Illustrationen. Mit persönlich wäre aber – vor allem wegen der ganzen Art und Aufmachung der in Ihrem Verlag erscheinenden Veröffentlichungen – eine Mitarbeit bei Ihnen lieber. Wie Sie mir damals mitteilten, haben Sie gewisse Wünsche hinsichtlich der Technik und der allgemeinen Gestaltung der Bilder. Ich glaube sagen zu können, dass ich diesen Wünschen mit größter Wahrscheinlichkeit gerecht werden könnte.“ Und so war es.
Einige Monate später kam man sich näher: „Wie Sie mir mitteilten liegen Ihnen im Augenblick besonders noch einige Vogelbilder am Herzen, welche Herr Grossmann gezeichnet hatte und die Sie – wie ich wahrscheinlich richtig annehme, durch bessere Darstellungen ersetzen möchten. (...) Von Herrn Grossmann können Sie nach meiner und der Meinung ernsthafter Ornithologen nicht eine einzige Abbildung in diesem Werk belassen, wenn Sie damit überhaupt ernst genommen werden wollen.“
Im Folgenden, und im Zuge der gemeinsam geführten Diskussion über das neue Vogelwerk, in welchem der Kronen-Verlag viele Vogelbilder von Grossmann ersetzen wollte, schrieb Binder an Erich Cramer:
„Ich selbst bin der Meinung, dass ein Vogel so gemalt werden muss, dass man Details da wiedergibt, wo man wirklich am lebenden Vogel die einzelnen Feder auch sieht und nicht da, wo in Wirklichkeit nur eine weiche, oft wie gemalte Oberfläche zu sehen ist. Ein gesunder und auch sonst völlig normaler Vogel hält sein Gefieder immer in peinlichster Ordnung und sieht nicht so aus wie ein Teil... Ihres ersten Mappenwerkes: struppig, unordentlich, mit den unmöglichsten Farben der Iris, Augenlidränder, Wachshaut und der Ständer. Ich muss Ihnen das sagen und Sie dürfen dies absolut nicht als bösartige Nörgelei auffassen. Da helfen auch die noch so genau und pimpelig gemalten Blättchen, Grashälmchen und Kieselsteine nicht darüber hinweg! Man muss bei einem gut und lebendig gemalten Vogel die Weichheit und den frischen Duft des Gefieders zu verspüren glauben. Dann und wenn alle die anderen wissenschaftlichen Voraussetzungen erfüllt sind – so glaube ich wenigstens – ist es richtig.“
Und so sah es der Verleger auch.

Über Ludwig Binder:















Im Verlauf der Zusammenarbeit ergaben sich immer wieder Schwierigkeiten, die aus der Kritik der verschiedenen Wissenschaftler an einzelnen Zeichnungen herrührten. Und auch in diesem Fall lag es an dem Verleger Erich Cramer zwischen Kunst und Wissenschaft so zu vermitteln, dass von beiden Seiten das Beste für den Verlag produziert wurde. Der begnadete Vogelmaler Binder arbeitete einige Jahre für den Kronen-Verlag.

Karl GrossmannKarl Grossmann lebte in Frankfurt. Er zeichnete viele Jahre für den Kronen-Verlag, wobei der Verleger Erich Cramer nicht immer mit dem Zeichner Karl Grossmann über die angefertigten Werke einig war, die er oft zwecks Korrektur an den Illustrator zurückschickte. In dem zweiten, überarbeiteten Vogelwerk bemühte sich der Verleger die Werke Grossmanns durch Werke Murrs zu ersetzen. Auch scheute sich Erich Cramer nicht eine klare Sprache zu pflegen. In einem Brief an Murr 1959: „Die Zaunkönig-Tafel hat mir wieder gezeigt, welch großer Abstand zwischen Grossmann und Ihnen besteht...Ich glaube, dass ich es nicht verantworten kann, in das neue Vogelwerk eine größere Anzahl Tafeln von Grossmann zu übernehmen. Trotz des damit verbundenen erheblichen Mehrkosten habe ich mich dazu entschlossen, Sie zu bitten, die Umzeichnungen fortzusetzen.“ Ein anderes mal schrieb er an Grossmann selber: „Perspektivisches Zeichnen war von jeher nicht Ihre Stärke und Sie erinnern sich, dass ich Sie schon vor Jahren wiederholt auf diese Ihre Schwäche aufmerksam gemacht habe. Sie werden diesen Fehler, der Ihren an sich so wunderbar gezeichneten Tafeln den überzeugenden Wert nimmt, nicht überwinden, wenn Sie nicht die nötige Selbstkritik aufbringen und sich einmal ganz ernsthaft mit diesem Problem beschäftigen. Wenn Sie damit Erfolg haben würden, hätte ich die Möglichkeit, zu Ihrem und unserem Nutzen Pläne zu machen.“

Und auch die Ehefrauen waren beständig involviert. Nach einem Gespräch zwischen Grossmann, Caspari und Wissenschaftlern, bei dem die Arbeit von Grossmann kritisiert wurde, schrieb seine Frau an Ingeborg Cramer: „Er ist der harmloseste und anständigste Mensch, den ich kenne und das bringt mich immer wieder dazu für ihn einzutreten, so wie heute. (...) hatte ich manchmal das Gefühl von Ungerechtigkeit gegenüber meinem Mann von Seiten des Herrn Cramer und mancher Herren von der Wissenschaft. Eines glaube ich auch jetzt noch, dass man beim Grossmann ganz besonders viel erwartet und darum so streng ist. Herr Cramer hat damit natürlich ganz recht, es hat noch nie jemanden geschadet, wenn er sein Bestes gab. Sie gaben mir einmal in Frankfurt die Erlaubnis mich an Sie wenden zu dürfen. Heute habe ich folgende Bitte: Versuchen Sie, dass mein Mann eine weitere Chance bekommt, wenn die erste daneben geht. Wir haben Sie immer ein wenig als Schutzengel angesehen, wenn es schlimm wurde. Und vielen Dank.“

Ein kongeniales Paar
Ein weiterer Künstler, der nicht nur die meisten Werke des Kronen-Verlag zeichnete, der für den Kronen-Verlag und auch für Erich Cramer selber über 20 Jahre, sicherlich der wichtigste Partner, Kritiker, Freund gewesen ist, war Claus Caspari (1911 – 1980).
Er war der Sohn des renommierten Münchener Kunstmalers und Karikaturisten Walther Caspari und seiner Mutter Elisabeth von Ammon. Seine Tante, Gertrud Caspari, war Kinderbuchmalerin. Mitte der 30er-Jahre begann er als Autodidakt zu zeichnen. Seine Motive fand er in seiner natürlichen Umgebung, seien es Wiesen oder Wäldern oder besondere Urlaubseindrücke.
Nach dem Krieg, er war bereits verheiratet, legte er Dolmetscherexamen in Englisch, Französisch und Italienisch ab, denn schließlich galt es seine Familie zu ernähren. Aber 1949 entschied er sich berufsmäßig der naturalistischen Pflanzen- und Tiermalerei zu widmen.
Er malte Blumen, Pilze, Insekten und Fische, aber auch Schnecken und Mineralien. Wichtigstes Anliegen war ihm stets die detailgetreue und dennoch lebendige Wiedergabe. Er arbeitete eng mit dem damaligen Technischen Leiter des Botanischen Gartens in München, Gartenoberamtmann Wilhelm Schacht zusammen und besaß sogar einen eigenen Schlüssel zu den Gartenanlagen. Seine ausgewogene, naturgetreue Darstellungsweise brachte ihm viele Bewunderer ein - und die Möglichkeit zu verschiedenen Ausstellungen, darunter in der renommierten Hunt Botanical Library in Pittsburgh / USA im Jahre 1972.

Der Zeichner Franz Murr, der in Bad Reichenhall lebte, war derjenige, der die Verbindung zwischen Claus Caspari und Erich Cramer herstellte. Nach einem Gespräch mit ihm im Jahre 1953, wendete sich Claus Caspari an Erich Cramer: „Durch Herrn Franz Murr, Bad Reichenhall, erfahre ich, dass Sie einen guten botanischen Illustrator suchen. Ich erlaube mir daher, mich Ihnen vorzustellen und Sie mit meiner Arbeit bekannt zu machen...“.
Postwendend, zwei Tage später, bekundete Erich Cramer sein außerordentliches Interesse und schlug, anlässlich einer Geschäftsreise, ein umgehendes Treffen in München vor.

In der Folge und bereits am 16. März bestätigte Erich Cramer die Münchener Vereinbarung, Caspari mit Aufträgen zu bedenken. Man kam überein zunächst für das, in der Herstellung begriffene Werk „Mitteleuropäische Pflanzenwelt“ , etwa 100 Tafeln anzufertigen. Vereinbart wurde auch, dass die endgültige Abnahme der Zeichnungen von der Zustimmung durch entsprechende Wissenschaftler, wie z.B. Dr. (später Professor) Merxmüller von der Botanischen Staatssammlung, München, und Prof. Kräusel abhängig ist. Prof. Kräusel war Professor der Universität Frankfurt a. Main Leiter der Botanisch-Paläobotanischen Abteilung des Forschungs-Instituts und Naturmuseums Senckenberg, Frankfurt a. Main.

Bis zur Fertigstellung der endgültigen Tafeln wurden langwierige Briefwechsel geführt, in denen, zum Leidwesen der Künstler, auch die Gelehrten nicht immer einer Meinung waren. So beklagte sich Caspari einmal bei Erich Cramer: „Leider kann ich mich aber des Eindruckes nicht erwehren..., dass die Kritik speziell am Schafgarbenbild nicht sachlich ist. Wir haben die Vermutung, es könne sich hierbei um eine, möglicherweise unbewusste, Vergeltungsaktion gegen das von Dr. Merxmüller in Ihrem Beisein abgelehnte Blatt der Sandstrohblume handeln, das wiederum von Prof. Kräusel als gut befunden wurde.“

Bereits um den Jahreswechsel 1953/54 herum führte der fruchtbare Austausch zwischen Verleger und dem Botaniker und Künstler Claus Caspari dazu, dass vereinbart wurde Orchideenzeichnungen anzufertigen. Außerdem wurden die ersten Überlegungen betreffend eines Werkes über Insekten angestellt.
Ende 1954 wurde die Arbeit aufgenommen und bereits zu diesem Zeitpunkt wurde der Plan für ein Werk über Pilze besprochen. Die Pläne entwickelten sich auf der Überholspur, wobei bedacht werden muss, dass die Fertigstellung und der spätere Druck von über 100 Tafeln ein jahrelanges Zeichnen und Planen erforderte.

Mitte der Sechziger wurde dann das Werk über Mineralien vorbereitet, für die sich Claus Caspari bereits 10 Jahre zuvor begeistert hatte, und die er als Junge sammelte. Ursprünglich war dieses Werk für 100 Tafeln ausgelegt, auf denen die häufigsten Mineralien darzustellen sein. Schließlich wurden es über 160. Zwei Jahre sollte die Zeichnung der Mineralien dauern. Selbst bei Urlaubsreisen bat der Künstler Erich Cramer nach entsprechenden Mineralien, seien sie z.B. vulkanischen Ursprungs, wie auf Ischia, Ausschau zu halten. Er selber arbeitete eng mit der Universität zusammen und fuhr auch in die Berge um zeichenbares Material zu finden oder zu erwerben. Die von der Universität ausgeliehenen, teils sehr seltenen Mineralien mussten vom Verlag gegen Verlust versichert werden, da sie sonst die Aufbewahrungsräume nicht verlassen durften. Auch Privatsammler stellten Stücke als Vorlage zur Verfügung.
Erich Cramer schrieb bei der Vorbereitung des Mineralienwerkes an Caspari: „(...) Ich muss beim Mineralienwerk bei jeder Tafel Gewissheit haben, dass sie druckwürdig und der enorme Betrag für die Lithographie gerechtfertigt ist. Wir können bei dem Mineralienwerk nicht von Zugeständnissen leben, sondern wir müssen mit dem fertigen Werk etwas vorlegen , das die Welt bisher noch nicht in dieser Vollkommenheit gesehen hat. (...) ich habe erkannt, dass jede Forcierung uns nicht zu dem angestrebten Ziel führen wird, und deshalb sagte ich Ihnen schon, dass ich jeden Zeitdruck von Ihnen nehme, so dass Sie Zeit und Muße haben, sich für jede Darstellung die zweckmäßigste und effektvollste Beleuchtung herauszusuchen und bei der Ausführung der Tafeln die größtmögliche Sorgfalt anzuwenden. (...) es wäre viel schlimmer, wenn nachher Sie und ich und die anderen an diesem Werk Beteiligten, das Gefühl haben müssten, nur weil wir glaubten keine Zeit gehabt zu haben, dass das Ergebnis unserem Können und unseren Fähigkeiten nicht entspricht. Alle Mühe und das Kapital... wäre vertan, wenn wir anderen die Gelegenheit geben würden, es besser zu machen.“ Seinerzeit wurde ein ähnliches Werk in England vorbereitet.

Claus CaspariZwischen Claus Caspari und Erich Cramer bestand eine ganz besondere und lebenslange Beziehung und so schrieb Caspari zum Tode von Erich Cramer: „Ich habe manchmal, halb im Scherz, gesagt, er sei mein „bester Feind“, wenn wir mal wieder eine Serie von gegenseitigem Schlagabtausch hinter uns hatten; heute weiß ich, dass die tiefe Verbundenheit (Freundschaft) weit überwog. Und die Verbundenheit blieb auch noch bestehen, als die jahrelange Symbiose Verleger-Künstler mangels Masse ein langsames Ende fand. Erich Cramer habe ich sehr, sehr viel zu verdanken, ganz besonders natürlich in meinem beruflichen Werdegang, aus dem er nicht wegzudenken wäre. Wenn ich dabei ihm und dem Kronen-Verlag nützlich sein konnte, so ist das nur recht und billig.“ Als Claus Caspari die Todesnachricht Erich Cramers erhielt weinte er bitterlich.

Eine Schwierigkeit bestand darin, dass eine unbefriedigende Ausführung, Änderungswünsche oder gar eine Ablehnung einer Zeichnung seitens der Wissenschaftler oder Erich Cramers, oftmals zu einer erheblichen Verzögerung der Fertigstellung führte, da aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit kein entsprechendes Pflanzenmaterial zur Verfügung stand. Im Jahre 1954 kaufte Claus Caspari deshalb einen Kühlschrank, um die Pflanzen länger frisch halten zu können!
Über Claus Caspari veröffentlichte Erich Cramer im Kronen-Verlag im dem Buch „Blütenwunder in den Alpen“: „Claus Caspari ist einer der wenigen Künstler, die heute noch die naturalistische Malerei pflegen und es verstehen, künstlerischen Ausdruck mit wissenschaftlicher Exaktheit zu verbinden. Seine bewundernswerte Kunst stellt ihn würdig an die Seite einer Sybilla Merian, eines Moritz Michael Daffinger und Pierre-Joseph Redouté.“
Alleine in den Jahren 1956-1959 malte Claus Caspari 209 Bilder für Erich Cramer.

Weitere Künstler

Robert Scholz, Glücksburg zeichnete einige Tafeln für den Kronenverlag, allerdings scheitere eine weitere und enge Zusammenarbeit an der völligen Unzuverlässigkeit des Graphikers, der teils mehrere Monate auf den fertigen Tafeln saß und diese trotz Zusage nicht an den Verlag schickte. Erich Cramer und seine Frau Ingeborg fuhren wiederholt nach Glücksburg, um den Zeichner zu motivieren und anzuspornen, doch letztlich vergeblich. Er trug insofern zu dem Vogelwerk nur im Jahre 162 bei.

Gabriele Goßner aus München zeichnete einige Tafeln für den Kronen-Verlag, die allerdings nicht in den Werken, sondern in den Kalendern Verwendung fanden. Ursprünglich kam der Kontakt zustande, weil Erich Cramer einen weiteren Zeichner für das Pilzwerk suchte. Erich Cramer schrieb: „Sie dürfen nur des Guten nicht zuviel tun und nicht so sehr in die Romantik verfallen... Unser Kalender soll eine botanische Note behalten, wenngleich die Darstellungen in diesem Rahmen einen möglichst künstlerischen, reizvollen Anblick bieten sollen.“

R. A. Vowles English 1900-1969, ein bekannter englischer Zeichner, der auf Vogel-zeichnungen spezialisiert war, und für den Kronen-Verlag am zweiten Vogelwerk mitwirkte. Budgerigars in Colour: Their Care and Breeding. Die Zusammenarbeit mit dem Kronen-Verlag erstreckte sich nur über einen relativ kurzen Zeitraum und beschränkte sich auf das neugezeichnete Vogelwerk, zu dem R. A. Vowles einige Zeichnungen beisteuerte. Letztlich scheiterte die Zusammenarbeit, daran dass die Wissenschaftler, Heinroth und Steinbacher, zu viele Änderungswünsche hegten, denen der Künstler nicht nachkommen wollte und die zu enormen Zeitverzögerungen führten, da die Tafeln ja ständig den Kanal hin und her überqueren mussten. Briefe mussten übersetzt werden und eine direkte Verständigung schien schwierig. Letztlich genügte seine Kunst nicht den strengen Anforderungen der Wissenschaftler in Deutschland und den Erwartungen Erich Cramers.

Und noch mehr Künstler

Erich Cramer und sein Kronen-Verlag stand mit vielen Künstlern in Verbindung, insbesondere als Folge der Entscheidung das Vogelwerk neu zu zeichnen. Allerdings sorgten die hohen Ansprüche, die der Verlegers und die Wissenschaftler an die gezeichneten Werke stellten dafür, dass nur wenige Zeichner tatsächlich zu den Werken beigetragen haben.
Künstler, die zeitweilig, wenn auch nur vereinzelt für den Kronen-Verlag arbeiteten waren:
Walter Ebke (1907-1976) arbeitete von 1945 bis 1963 als freiberuflicher Maler und Graphiker. Die Aufbauphase des 1949 gegründeten RUHR ZOO Gelsenkirchen begleitete Walter Ebke maßgeblich. Seine genaue Beobachtung der Tiere und die Kenntnis ihrer Anatomie in Verbindung mit einer ausgeprägten Detailgenauigkeit machten ihn zu einem begehrten Illustrator von Lexika/Tierlexika und einem interessanten Mitarbeiter bei wissenschaftlichen Fachbüchern. Er trug eine Zeichnung zum neuen Vogelwerk bei, die nach der Kontaktaufnahme im Jahre 1963 angefertigt wurde.

Von Jutta Streege übernahm Erich Cramer drei Bilder im neuen Vogelwerk.

Fritz Bäuerle illustrierte diverse Naturbücher in den vierziger und fünfziger Jahren. Ein Schwerpunkt waren die Zeichnungen von Vögel, z.B. auf dem Darß.

Und Erich Cramer korrespondierte alleine in den Jahren 1960-62 aktiv mit vielen Künstlern, Zeichnern, Graphikern, Malern immer auf der Suche nach einem guten Ergebnis für seine naturkundlichen Tafeln. Er ließ sich Probezeichnungen anfertigen, schickte diese anschließend Wissenschaftlern – aber oftmals kam eine weitere Zusammenarbeit letztlich nicht zustande:
Helene Wittkop in Tutzing, Camill Gugg in Capo di Sorrento, Sepp Aichstill in Salzburg, Lucia Jirgal in Wien, Hermann Kacher in Seewiesen, Peter Paul Kohlhaas in Wien, Sigurd Raethel in Berlin, Friedrich Reimann in Zeulenroda in Thüringen, Vinzenz Weilner in Salzburg, Josef Harzer in Hungen in Hessen, D. M. Reid-Henry in Woodford Green, England und einigen andren.

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