Der Druck

Der Kronen-Verlag druckte u.a. beim Druckhaus Tempelhof, Berlin und bei Stalling.

Das Druckhaus Tempelhof gehörte zu dem im 19. Jahrhundert gegründeten Ullstein-Verlag, der in Berlin ansässig war. 1927 wird die Druckerei modernisiert und zur europäisch größten Druckhaus für Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. 1945 wird der Ullstein-Verlag durch Bombentreffer vollkommen zerstört, nur das Druckhaus in Berlin-Tempelhof bleibt unversehrt. Nach der Besetzung wird das Druckhaus mittels Lizenzen für u.a. amerikanische Militärzeitungen wiederbelebt - zuvor hatten die Russen sämtliche Druckmaschinen requiriert.
Es lag also nahe, dass Erich Cramer sich an diese Druckerei wendete, denn man kannte sich aus der Vorkriegszeit.

Nach all den Mühen, die bei der Zeichnung der Original-Tafeln entstanden, trugen die Druckereien selbstverständlich eine sehr wichtige Verantwortung, denn sie sollten schließlich das Rohmaterial in ein verkaufsfähiges Produkt umwandeln.
Nicht immer gelang das ohne Enttäuschungen und Aufregungen.

An Caspari schrieb Erich Cramer 1960:
" Wir haben jetzt den Andruckbogen des Kalenders bekommen, aber leider erfüllt dieser Bogen die Erwartungen nicht. Ich fahre in dieser Woche nach Berlin und ich hoffe noch dann feststellen zu können, dass sich der flache Druck - besonders bei der Rose und dem Fliegenpilz - nicht durch die ganze Auflage bemerkbar macht. Es ist für mich immer furchtbar enttäuschend, wenn ich feststellen muss, dass die Mühe mit den Originalen und dass die enormen Kosten, die wir für die Lithographien zahlen, dann letzten Endes durch Fehlleistungen beim druck mehr oder weniger unnötig aufgewandt worden sind."

Caspari schrieb im selben Jahr:
"Es wäre wirklich sehr zu bedauern, wenn die Druckqualität beim Druckhaus Tempelhof nachlassen würde! Gerade bei den neuen Motiven... wäre eine auch in der Farbe überzeugende Wiedergabe sehr wichtig. Glauben Sie mir, Herr Cramer, dass auch ich schon manches Mal enttäuscht war, wenn eine Tafel nicht so gekommen ist, wie ich es erwartet hatte."

Ebenfalls 1960 schrieb Erich Cramer: "Ich bin gerade aus Berlin zurückgekommen, wo ich meine Ansichten über den schlechten Druck des Kalenders ziemlich deutlich zum Ausdruck gebracht habe. Aus mir unverständlicher Verantwortungslosigkeit hat der Drucker, der ja die Druckqualität zweifellos hat beurteilen und erkennen können, die Geschäftsleitung nicht davon in Kenntnis gesetzt, dass das Druckergebnis des Pflanzenkalenders in keiner Weise befriedigt und hat die Bogen der Binderei zugeleitet, die nun bereits mit dem Zerschneiden begonnen hat....Mir ist völlig unverständlich, wie es zu einem solchen Fehldruck gekommen ist und die Ullsteiner reden in geschickter Weise auf meine diesbezüglichen Fragen immer um den heißen Brei herum, so dass man nicht mehr schlau wird. Ich habe die Hoffnung, dass die Käufer der Kalender, die ja keine Vergleichsmöglichkeiten mit den originalen haben, den schlechten Druckausfall nicht so bemerken."

"Anbei sende ich Ihnen wunschgemäß einen Tierwelt-Kalender. Auch dabei ist der Druck schwach ausgefallen, was ohne unmittelbaren Vergleich mit den Originalen wohl nicht so augenfällig ist, aber trotzdem bin ich mit er Kalender-Auflage recht unglücklich, denn für mich ist klar, dass die Menschen von einem mehr oder minder gut gelungenen Druck der Kalender unwillkürlich und ohne dass es bis zu ihrem Bewusstsein durchdringt, auch mehr oder weniger stark angesprochen werden, was sich letzten Endes ja wieder auf den Absatz und auf den Wunsch nach weiteren Kalendern auswirken muss Aber da ist nun wirklich nichts mehr zu ändern, wir müssen uns damit abfinden."

Nachdem sich die Zusammenarbeit mit dem Druckhaus Tempelhof immer schwieriger gestaltete, wechselte der Kronen-Verlag zur Druckerei und Verlag Stalling. Diese Firma residierte schon seit über 200 Jahren in Oldenburg.

"Nicht, dass nur schlecht gedruckte Tafeln in der Lieferung vorhanden sind, nein, auch die Lieferungen sind nicht sehr sorgfältig zusammengetragen. Wir bekommen hier tagtäglich Reklamationen. Wenn es sich nicht um schlechtgedruckte und sogar verdruckte Tafeln handelt, verschmutzte und zerknitterte, fehlen in vielen Fällen auch Tafeln in den Lieferungen. Mit solchen Problemen Hatten wir, solange wir beim Druckhaus waren, nichts zu tun. Es wird ... für Herrn Lohse bei diesem Auftrag bleiben. Wir werden dann lieber allein bei Stalling drucken, wo wir bisher den allerbesten Eindruck bekommen haben."

Claus Caspari 1963: "Ich hatte heute Gelegenheit, mit Herrn Dr. Poelt die Pilztafel-Andrucke durchzusehen und möchte einerseits der Firma Stalling meine Befriedigung zum Ausdruck geben, dass im allgemeinen schon die ersten Andrucke recht anständig ausschauen, andererseits haben wir aber einige Einzelheiten gefunden, die unseres Erachtens auf jeden Fall berichtigt werden müssen:"

Zurücktop

© 2008-2011 by Cramers Gallery of Nature Sagl | Via Monte Bré b | CH-6605 Locarno-Monti
Tel: +41-91-75167-54 | Fax: +41-91-75167-55 | Mail: info@cramers-gallery.com
Internetagentur: sitegeist