Wirtschaften – Kunst und Kommerz

Letztlich musste trotz aller Begeisterung für die Natur die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Produkte des Kronen-Verlag bedacht werden.
Die allgemeine wirtschaftliche Lage der Bevölkerung und der Zielgruppen für die einzelnen Produkte musste analysiert werden, um erfolgreich umgesetzt werden zu können.
Die Idee. beispielsweise schöne Kalender zu schaffen, wurde in einem günstigen Moment geboren, denn mit dem Beginn der Aufbauphase und der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse, waren viele Menschen wieder bereit Geld auszugeben - und zwar nicht nur für die Deckung der unmittelbaren Bedürfnisse.
Anderseits bedienten die sieben naturkundlichen Werke eine Vielzahl an Konsumenten, angefangen mit Wissenschaftlern, Universitäten und Schulen.

Wie in vielen Bereichen der Wirtschaft stiegen im Zuge des "Wirtschaftswunders" die Preise, und das hatte Auswirkung auch auf das Verlegen von Büchern, und das Drucken von Kalendern:

"Die gleichmäßige Beschriftung der Kalender ist aus Rentabilitätsgründen erfolgt. Wir müssen bei den enorm hohen und ständig steigenden Herstellungspreisen jede Möglichkeit der Verbilligung ausnutzen."

"Die Kalender sind mit den Messebestellungen nun ausverkauft, was ich einesteils begrüße, andernteils bedauere ich natürlich, dass wir uns nicht zu einer höheren Auflage entschließen konnten; aber wer kann schon im Frühjahr wissen, was im Herbst ist. Ein Grund des Zögerns war der neue Inhalt, von dem ja auch jetzt noch nicht feststeht, wie er dem Publikum, das bisher reine mitteleuropäische Pflanzen und Vögel gewohnt war, aufgenommen wird. Das werden wir erst im Januar wissen und können dann gegebenenfalls im nächsten Jahr etwas großzügiger sein."

Im Dezember 1964 schrieb Erich Cramer an Claus Caspari: "Ich stecke augenblicklich tief in der Arbeit, weil wir jetzt schon den zehnten Jahrgang des Kalenders für 1964 vorbereiten müssen, für den wir für unsere Vertreter bereits Mitte nächsten Jahres Musterstücke brauchen. Zeh Jahre sind vielleicht noch nicht erwähnenswert, aber als Werbespruch sollte man wohl doch davon Gebrauch machen. Den Kalender für 1964 soll als Jubiläums-Kalender erscheinen. Wir machen ihn eine Kleinigkeit größer und mit Gold auf dem Deckblatt.
Das klingt alles so einfach, aber in Wirklichkeit macht das doch eine ganze Menge Überlegungen notwendig...."

"Für eine Kalender-Darstellung gilt es meiner Ansicht nach zwei wichtige Bedingungen zu erfüllen, damit die Tafeln dann, was für den Umsatz ja von ausschlaggebender Bedeutung ist, eine breitere Käuferschicht ansprechen. Diese Bedingungen sind erstens die Auswahl der Pflanzenart und zweitens die schöne Darstellung.
Bei der Auswahl ist dann die Forderung zu erfüllen, dass die dargestellte Art möglichst Erinnerungs- und Gefühlsmomente für den Käufer enthält... Viele von diesen Arten sind besungen und bedichtet worden und es ist eine Tatsache, das bekanntes von vornherein Anspruch auf Sympathie hat.
Die zweite Forderung wäre dann die, die Darstellung so zu bringen, dass sie ein schönes, ansprechendes Bild ergibt, den Bildausschnitt mit den farbigen Blüten und dem Ornament der Blätter wirkungsvoll füllt. In den seltensten Fällen wird die Pflanze, die Sie bei der Arbeit vor sich stehen haben, diese Forderung erfüllen und der Künstler in Ihnen muss daraus erst das ideale, reizvolle Bild schaffen, die Blüten richten und das Blattwerk zum Bildornament ordnen. Verunstaltungen und Beschädigungen der Blüten und Blätter dürfen nicht erscheinen, damit die so dargestellte Pflanze auch den höchstmöglichen Schönheitseindruck vermitteln kann."

Und Konkurrenz gibt es auch, sobald sich der Erfolg offen zeigt. Erich Cramer schrieb im November 1963: "(...) Diese Pflanzen sind vielleicht mit dafür verantwortlich, dass die Auflage unseres Pflanzen-Kalenders erheblich geschrumpft ist. Auch die rührige Konkurrenz ist daran nicht unbeteiligt, besonders der Stähle 6 Friedel-Kalender, der sich neuerdings ganz und gar auf unsere ursprüngliche Linie begeben hat und fleißig dabei ist uns das Wasser abzugraben."

Und dann sind da natürlich noch die Künstler, die ihren Lohn fordern, wobei sich der Kronen-Verlag durchaus an das übliche Honorar für erstklassige Arbeit hielt und auch bereit war die Künstler insofern finanziell zu unterstützen, als das auch Vorschüsse gewährt wurden, um individuelle und kurzfristige Engpässe zu überbrücken.

Trotzdem musste auch mit den Künstlern stets gehandelt werden, wie ein Schreiben von Ludwig Binder von Ende 1962 an Erich Cramer belegt:
"Eine Dauerverbindung habe ich jetzt mit einem Verlag und ich erhalte pro Abbildung laut schriftlicher Zusage 300,-- DM; und wenn es einmal um eine Abbildung handelt, die besonders viel Arbeit beansprucht, so erhalte ich sogar anstandslos weit mehr. Ich sehe es auch nicht recht ein, was eine Serienarbeit in diesem Falle mit dem Honorar zu tun haben sollte. Der Künstler ist doch keine maschine, die bei einer großen Auflagenzahl billiger arbeiten kann als bei einer geringeren! Außerdem, sehr geehrter Herr Cramer, dürfte Ihnen doch nicht entgangen sein, dass wir in einer Zeit der unaufhörlichen "dynamischen" Lohn- und Preissteigerungen leben. Ich bin gerne zur Senkung meines Honorars bereit, wenn das im gesamtenöffentlichen Leben auch geschieht. So aber steigen die Lebenshaltungskosten unaufhörlich, die Beitragssätze für die Altersversicherung, Krankenkassen, Arztkosten, Miete, lauter Dinge, welche der Künstler und freiberuflich Tätige wie alle anderen auch zu tragen hat. Dabei muss ich doch ein wenig mehr leisten und können, als das ich bereit wäre für den Verdienst eines ungelernten Arbeiters zu arbeiten. Außerdem hätte ich mir diese Vogeltafeln aus Liebe zur Sache und aus Interesse noch zusätzlich zu meiner bereits festliegenden Arbeit aufgeladen und noch mehr bis in die späte nacht hinein gearbeitet. (...) Ich verstehe, dass Sie als Kaufmann scharf kalkulieren müssen und daher versuchen, eine möglichst preisgünstige Arbeit zu erhalten. Sie dürfen jedoch nicht vergessen, dass auch der Künstler es in dieser zeit lernen musste und auch gelernt hat, ebenfalls kaufmännisch zu denken."


Man einigte sich.
"Nach Ihrem gezeigten Entgegenkommen in der Honorarfrage erkläre ich mich gerne zur Mitarbeit an den von Ihnen gestellten Aufgaben bereit und will mein möglichstes tun. (...) Im übrigen will ich mich bemühen ein guter Mitarbeiter zu werden und Sie werden nach einer gewissen zeit feststellen, dass nicht ein Blatt sorgfältig, ein anderes dagegen oberflächlich und schlampiger ausgeführt ist."
Die Arbeiten von Ludwig Binder bereichern seitdem die Veröffentlichungen des Kronen-Verlag.

Und schließlich wurden auch die Künstler selber mit eingespannt neue Absatz"märkte" aufzutun. So besuchte beispielsweise Claus Caspari lokale Schulen, um dort die Werke zu verkaufen... Alte Kontakte wurden neu geknüpft und er schrieb an Erich Cramer: " Darf ich noch mal bitten mir Prospekte bzw. Preisunterlagen über unsere großen Werke zuzuschicken, möglichst mehrfach? Wie mir Professor Merkl erst vor ein paar tagen wieder versicherte, war die Mehrheit der führenden Köpfe unserer Schulbehörden bei ihm Schüler - und sind noch heute mit ihm befreundet!"

Schließlich galt es auch das Werk auf den verschiedenen Messen zu repräsentieren:


Sei es auf der Frankfurter Buchmesse, oder auch auf der Messe in Paris.

Und natürlich war der Kontakt zu anderen Verlegern, seien es Konkurrenten oder Freunde, ein wichtiger Teil der Arbeit, der dementsprechend auch zu der Teilnahme an festlichen Veranstaltungen des internationalen Verlegerverbandes führte.

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